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DÜRFEN CHRISTEN SEDERABENDE VERANSTALTEN?

28.04.2005zurück
Pro: Ein Mahl für alle von Susanne Förster

Ein Hexenfeuer, ein heidnischer Brauch in der Lausitz, am Gründonnerstag 2002, das unsere Kinder zu unserem Entsetzen gern besuchen wollten, war für uns Anlaß, ein Sedermahl zu probieren. Wir wollten unseren Kindern das Gefühl geben, an diesem Tag auch ohne Hexenfeuer etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. In der Jüdischen Allgemeinen hatten wir davon gelesen, und da wir einen Sederteller besitzen, haben wir es gewagt. Mühselig "arbeiteten" wir uns durch das Programm. Der Erfolg des Abends war augenscheinlich, der eigentliche Aha-Effekt kam aber erst Monate später. Als wir unsere Kinder fragten, was sie vom Sedermahl noch wußten, trat eine bis dahin ungekannte Erinnerungsfülle zu Tage. Zweimal haben wir inzwischen ein Sedermahl öffentlich gefeiert, immer mit einer sehr positiven Resonanz. Als evangelische Christen erleben wir beim sedermahl, wie arm wir doch eigentlich sind. Es fehlt uns an der tiefen Symbolik, anhand derer Glaube und Geschichte verinnerlicht werden. Jüdische Geschichte ist auch christliche Geschichte. Das Sedermahl als Eröffnung des Pessachfestes ist das Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern eingenommen hat, bevor er gefangengenommen und gekreuzigt wurde. Es ist der unmittelbare Vorläufer unseres heutigen Abendmahles, wenngleich unsere christliche Abendmahltradition geradezu verkümmert wirkt, gemessen an Inhalt und Umfang des Sedermahls. Dieses Festmahl haben Christen und Juden gewissermaßen gemeinsam, es sollte nicht von Juden "gepachtet" sein. Erst mit dem Praktizieren dieses Mahls konnten wir Christen einzelne Stellen der biblischen Abendmahlsgeschichte überhaupt verstehen, zum Beispiel wenn davon die Rede ist, dass der Verräter mit Jesus gleichzeitig "eintaucht". Wenn wir als Christen Seder feiern, dann tun wir das mit großer Ehrfurcht. Erfurcht vor Gott und seiner grandiosen Geschichte mit dem jüdischen Volk, ohne die unsere eigene Geschichte als Christen undenkbar wäre. Verinnerlichtes, erlebtes und gelebtes Wissen über das Judentum als die Wiege des Christentums halten wir für ein sehr starkes Argument gegen einen aufkommenden Antisemitismus. Menschen, die sich gut kennen, die über Gemeinsamkeiten und Unterschiede und vor allem über deren Hintergründe Bescheid wissen, können sich leichter einander näher, als Fremde, die von Unwissenheit und Vorurteilen geleitet werden. Wir eröffnen am 08. Juni in Oberlichtenau bei Dresden einen Bibelgarten den er sten seiner Art in Deutschland, eine Art Freilichtmuseum für Religionsunterricht zum Anfassen. Mit diesem Garten wollen wir genau das vermitteln: Unsere Wurzeln im Judentum und die Kostbarkeit unserer jüdisch-christlichen Kultur. Dazu gehört das Erklären verschiedener alltäglicher Lebensumstände und Bräuche aus alter Zeit wie auch aus der Gegenwart genau so ins Programm wie das gemeinsame nachempfinden jüdischer Feste und Feierlichkeiten. Dabei handelt es sich keineswegs um "Kasperletheater", sondern Volksbildung. Wir können doch nicht ernsthaft erwarten, dass in unserer säkularisierten Gesellschaft Menschen gegen Antisemitismus aufstehen, wenn dies lediglich eine hohle Parole ist, die der durchschnittlich gebildete Bürger überhaupt nicht mit Inhalten und Sachwissen füllen kann. Fragen doch einmal in iner beliebigen Stadt Menschen, was sie über "Semiten" wissen. Wenn es nicht gelingt, in unserer Gesellschaft die ethischen Werte des Christentums wieder lebendig zu machen und neu als lohnend und wichtig zu vermitteln, wird eine Annäherung an die jüdische Glaubens- und Lebenswelt erst recht immer unwahrscheinlicher.
 

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